Häfentheater: Acht liederliche Türmer, Besetzung und Idee
Acht liederliche Türmer
Eine Teichoskopie mit freien Texten von gefangenen Menschen, nach Motiven aus „Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt“ von Johann Nepomuk Nestroy. Ein Hörspaziergang, ein Häfentheaterprojekt digital.
Wer es gemacht hat
Konzept und künstlerische Leitung: Julia Gratzer. Produktionsleitung: Josef Riedl. Mit: Josua, Florian, Marcel E., Helmut, Anton, Markus, Martin und Christian aus der Justizvollzugsanstalt Karlau sowie Benedikt Kaiser.
Lektorat der freien Texte: Thomas Perle. Sounddesign und technische Umsetzung: Elisabeth Frauscher. Supervisorin: Maria Theresia Schönherr.
Entstanden ist das Projekt im Rahmen von Graz Kulturjahr 2020 und in Kooperation mit dem Schauspielhaus Graz.
Die Idee: Mauerschau von innen
„Wir sind seit 12.204 Tagen hinter diesen Mauern, 339 Jahre alt und von unserer nächsten Chance eine Unendlichkeit entfernt. Ihr Vagabunden und anderen Herumtreiber: Wir können euch berichten von Sternenbildern tief aus der Nacht, warnen vor Kämpfen vor und hinter unseren Mauern, erzählen von Feen, die uns mit Liebe oder Geld vor der Einsamkeit zu bewahren versuchen. Um uns kreisen Millionen, nein, unendlich viele Geschichten. Sie tun es den Kometen fast gleich, hängen da irgendwo in der Luft herum, bis sie ungefragt und unvorhergesehen plötzlich auf uns herabfallen und uns verändern.“
„Teichoskopie“ (deutsch: Mauerschau) bezeichnet im antiken Drama den Bericht von etwas, das auf der Bühne nicht gezeigt werden kann. Dieses Prinzip macht sich der im Lockdown entstandene Grenz-Hörspaziergang zunutze: Er führt an der Außenmauer des „Häfn“ entlang und lässt von innen berichten.
So funktioniert der Rundgang
Der Parcours stand ab Oktober 2021 ein halbes Jahr lang offen und konnte selbstständig rund um die Gefängnismauern der Justizanstalt Karlau begangen werden. Er dauert etwa eineinhalb Stunden. Start- und Endpunkt sind an der Haupteinfahrt der Justizvollzugsanstalt in der Hergottwiesgasse 50 in 8020 Graz. Die nächste Straßenbahnhaltestelle zum Startpunkt ist „Puchstraße“ (Linie 5).
Mit einem mobilen, internetfähigen Endgerät, also Smartphone oder Tablet, ließ sich der Hörspaziergang vor Ort zu jedem beliebigen Zeitpunkt mit einem QR-Code kostenlos abrufen. Man folgt dann einer Erzählstimme, die von Station zu Station und von einem Text und Interview zum nächsten leitet. Kopfhörer nicht vergessen.
Zurück zur Übersicht geht es mit dem Hörspaziergang.